Gruß in die neue Woche

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Athener Kirchengemeinde,

der Lockdown läuft und wir bewegen uns auch. Leider nicht in Richtung Kirche, aber doch auch irgendwie dahin, nur auf anderen Wegen.

Sie werden in der nächsten Zeit als Gruß nicht nur „Sonntags um 10“ erhalten, sondern auch regelmäßig eine Botschaft unseres Gastpfarrers Herrn Bergau.

Wir haben uns eine weitere Möglichkeit des In-Kontakt-Bleibens mit Ihnen ausgedacht, einen Podcast. Eine neue Medienerfahrung für uns, angeregt durch Gemeindepraktikant Jonas Möller. Dieses erste Audio- und Video-Gespräch wurde am gestrigen Freitag gesendet. Weitere Gespräche werden folgen.

Wir grüßen Sie und Euch herzlich, bleiben Sie/bleibt behütet!

Dr. Silke Weißker-Vorgias und Vera Sficas

„Gruß in die neue Woche“ von Gastpfarrer Martin Bergau

Da habe ich mich erschrocken. Natürlich – ich war in Gedanken. Und wollte den kleinen Supermarkt betreten, fand aber keine Karte für den Einlass. Plötzlich eine barsche Stimme, auf Griechisch. Ich verstand kein Wort, wusste aber sogleich, was passiert ist. Er wartete auf den Einlass, und ich hatte ihn übersehen.

Zum Glück hatte ich in meinem schmalen Wortschatz schon das Wort „Entschuldigung“, das ich auf Deutsch gleich noch einmal nachschob, so perplex war ich. Er redete noch einen Moment auf mich ein, dann bekam er eine Karte und durfte den Markt betreten.

Ich war auf dem „falschen Fuß ertappt.“ Nicht weiter schlimm. Doch unwillkürlich hatte ich mich irgendwie schuldig gefühlt.

Eine kleine Alltagsszene. Doch kenne ich das Gefühl auch anders, blicke ich auf mein Leben. Es fällt mir nicht schwer, mich zu erinnern, wo ich etwas schuldig geblieben bin. Manches tut auch heute noch weh. Die Zeit heilt ja nicht alles.

„Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.“ (2. Korinther 5, 10a) Das ist der Wochenspruch für die kommenden Tage.

Über Jahrhunderte hatte diese Vorstellung Menschen Angst eingejagt. Und manchmal wurde damit auch Politik gemacht. Wer will schon gern seine unerledigten Dinge des Lebens offenbar werden lassen?

Der Theologe Eberhard Jüngel hat diese vermutete Schärfe und Unerbittlichkeit anders gedeutet: Als eine Weise des Gerechtwerdens. Das ist im Richten, von dem hier gesprochen wird, enthalten.

Dass die offenen Geschichten meines Lebens eines Tages in Gott sich bergen können, ja, Gericht, doch in Liebe.

Das nimmt einer Schuld nicht das Gewicht. Es relativiert nichts. Es weiß um die Größe Gottes, denn „er hat seine Welt geliebt“ (Johannes 3).

Dies gibt die Freiheit, zu seinen unerledigten Dingen zu stehen. Dazu gehört auch Mut. Wo sich das verbreitet, wird auch die Gerechtigkeit auf der Erde und unter den Menschen wachsen.