Sonntags um 10, 10.05.2020

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Kirchengemeinde,

in enger Verbundenheit mit Ihnen und Euch senden wir hier einen kurzen Beitrag, für den Pfarrer i. R. Wolfhart Koeppen aus Passau ein besonderes Gebet geschickt hat, das uns ermutigen soll, dem Herrn ein neues Lied zu singen.


Bleibt gesund und seid gesegnet am Sonntag Kantate und an jedem Tag!
Herzliche Grüße

Dr. Silke Weißker-Vorgias und Vera Sficas

Zeichen der Zuversicht 16

Bleib bei uns,
denn es will Abend werden,
und der Tag hat sich geneiget. (Lk 24,29)

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Kirchengemeinde,
ein musikalisches „Zeichen der Zuversicht“. Das Rheinberger Abendlied. Eins der wohl schönsten Abendlieder, das uns nach einem bewölkten und kühlen Donnerstag, mitten in der Corona-Pandemie in die Nacht begleiten soll. Wenn uns Fragen und Sorgen quälen, der Tag sich neigt, wir aber nicht zur Ruhe kommen können, obwohl es um uns herum still wird, dann hilft diese Motette des Liechtensteiner Komponisten und Musikpädagogen Josef Gabriel Rheinberger (1839 – 1901). Er kam mit 12 Jahren zur Ausbildung an das Münchner Konservatorium, wo er seine Kommilitonen schnell überflügelte und zahlreiche Werke schuf. Dem erst 19 Jährigen bot das Konservatorium eine Dozentenstelle für Klavier und später für Orgel und Komposition an, die er bis kurz vor seinem Tod ausübte. J.G. Rheinberger komponierte das Abendlied am 9. März 1855, zwei Wochen vor seinem 16. Geburtstag.

grafik.png

https://youtu.be/TGc__HGwdxk
Wir wünschen Euch und Ihnen allen eine ruhige und behütete Nacht!
Dr. Silke Weißker-Vorgias und Vera Sficas

Sonntags um 10, 03.05.2020

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Athener Kirchengemeinde,

JUBILATE! Wir feiern den Sonntag Jubilate immer noch nicht wieder mit einem Gottesdienst in der Christuskirche. Pfarrerin Iris Kaufmann spricht zu uns. Ziemlich zu Beginn des Beitrags steht ein Foto: Licht bricht durch das Kirchenfenster und fällt auf das Altarkreuz. Ein kräftiger Strahl. Hoffnung schenkend. Ein Grund zu jubilieren. Für uns alle. Übrigens auch für Chris Paraskevopoulos, der der Orgel in der Kirche wieder wundervolle Töne entlockt.

Sie klicken/ Ihr klickt einfach nur auf den unten stehenden Link.

Wir wünschen einen gesegneten Sonntag!
Bleibt/ bleiben sie alle gesund und behütet.
Herzliche Grüße

Dr. Silke Weißker-Vorgias und Vera Sficas

Zeichen der Zuversicht 15

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Kirchengemeinde,

ein Besuch bei Kornelia Redlof, die vor fast zwei Jahren zufällig meine Nachbarin wurde. Kornelia ist Malerin und Bildhauerin. Sie schreibt Geschichten, Gebete und Gedichte. Bevor sie meine Nachbarin wurde, hat sie ein paar Monate als Gast im Gemeindehaus gewohnt. Ihre große Liebe und Leidenschaft ist der Kirchgarten, denn sie hat zu allen Talenten auch einen grünen Daumen. Sie wird hoffentlich schon bald die Unterrichtung zumindest einiger unserer Flüchtlinge, die sich für Sprachprüfungen am Goethe Institut vorbereiten,  wieder aufgreifen können.Sie zeigte mir neulich, wie sie die Gemeinde-fernen Tage und Wochen ausgefüllt hat. Zwei ihrer in dieser Zeit entstandenen Bilder haben mich gerührt. Eins möchte ich gern heute mit Ihnen/Euch allen teilen. Es ist so frühlingsfroh in seinen Farben, seine Botschaft zeigt Zuversicht. „Hoffnung auf Sommer und Leben“.

Herr bleibe bei uns jetzt und immerdar! Amen!

Mit diesem Bild grüßen wir Sie/Euch

Hilde Hülsenbeck (Kornelias Nachbarin)

Dr. Silke Weißker-Vorgias und Vera Sficas

Info von der Deutschen Botschaft Athen

die griechische Regierung hat einen behutsamen ersten Lockerungsplan veröffentlicht. Für den Komplex der Reisebeschränkungen gibt es noch keinen Zeitplan. Ab Montag (den 04.05.2020) wird eine Maskenpflicht für folgende Bereiche eingeführt werden: Lebensmittelgeschäfte, Friseursalons, Kosmetikstudios und weitere geschlossene Räume – sowohl für die Kunden als auch für die Mitarbeiter.

Anmerkung der Redaktion:
Wir sind heute in einem Geschäft im Athener Zentrum darüber informiert worden, dass ab dem 04.05.2020 neben der Maskenpflicht auch eine Handschuhpflicht gibt.

Zeichen der Zuversicht 14

Liebe Mitglieder und Freunde der Athener Kirchengemeinde,
zum Auftakt der Woche ein Gebet von Pfarrer Holger Nollmann, der zweimal für mehrere Wochen in Athen war und mit uns einige Gottesdienste gefeiert hat. Er lebt jetzt mit seiner Familie in Bochum, wo er für die Friedenskapelle und die Seelsorge im Q 1 verantwortlich ist. Q1? Das ist ein Modellprojekt  in gemeinsamer Trägerschaft von IFAK e.V. und der Evangelischen Kirchengemeinde in Bochum. Das „Q1 – Eins im Quartier. Haus für Kultur, Religion und Soziales“ im Bochumer Westend leistet einen nachhaltigen Beitrag zur sozialen und kulturellen Entwicklung des Bochumer Westends. Es steht für eine Öffnung und die dynamische Weiterentwicklung bereits bestehender sozialer Angebote und Arbeitsfelder. Die Aktivitäten im Q1 sollen den gesellschaftlichen Zusammenhalt (im Stadtteil) stärken, wobei die interkulturelle, interreligiöse, intergenerationelle, auf Dialog angelegte Bildung und Beratung eine ebenso große Rolle spielt wie die Vernetzung im Stadtteil.

Die Leitlinien der Arbeit sind

a) Interkulturelle Arbeit
b) Interreligiöse Arbeit: Gemeinsamkeiten finden – Unterschiede feiern
c) Partizipation und Demokratieförderung
d) Netzwerke und sozialräumliches Arbeiten
e) Generationen übergreifendes Lernen und Leben
f) Gender und Diversitätsbewusstsein

image.png

Pfarrer Nollmann in der Bochumer Friedenkapelle.
Und hier sein Gebet:
Gott.
Wir sind verbunden.
Als Menschen mit Menschen.
Als Vertrauende miteinander.
Als Vertrauende und Menschen mit Dir.
Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen.
Wir denken an finstere Täler
auf dieser Deiner, auf dieser unserer Welt.
Sei Du da.
Tröste.
Trage mit.
Wir suchen den Weg durch diese Welt.
Nimm uns auf die Schultern,
Wenn wir uns nicht mehr auskennen.
Wir denken an alle, die sich verirrt haben.
Die Wege suchen.
Die sich suchen.
Oder die Dich suchen.
Flüstere ihnen ins Ohr: Ach Du!
Wir denken an alle, die wir lieben.
Was tun sie gerade.
Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.
Wir denken an alle Kranken.
Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können.
Wir denken an alle, die helfen.
Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander.
Gott.
Wir sind Deine Menschen.
Wir sind miteinander verbunden.
Atmen die Luft Deiner Schöpfung.
Beten zu Dir in allem, was ist.
Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen. 

In der Gewissheit, dass wir Gottes Menschen sind, dass wir miteinander verbunden sind, grüßen wir Sie und Euch zum Wochenbeginn!Dr. Silke Weißker-Vorgias und Vera Sficas

Sonntags um zehn

Liebe Mitglieder und Freunde der Athener Kirchengemeinde,

als wir Ihnen und Euch zum westkirchlichen und ostkirchlichen Osterfest einen Gruß und jeweils einen Videobeitrag geschickt haben, wollten wir – die Vorstände von Verein und Religiöser juristischer Person – trotz oder gerade wegen der Unmöglichkeit miteinander Gottesdienst feiern zu können, ein Zeichen der Verbundenheit schicken. Zahlreiche Reaktionen auf beide Beiträge haben uns ermutigt, bis auf Weiteres an diesen Sonntagsgrüßen aus der Sina festzuhalten und auch dafür zu sorgen, dass die Beiträge problemlos durch Mausklick auf den Link geöffnet werden können. Nun, Sie/Ihr werden/t sehen, technisch ist es jetzt ein Kinderspiel.

Der heutige Sonntagsgruß steckt voller Musik. Der Grund? Eine wunderbare Initiative des Musikerpaares Luise Stahl und Makis Ramos und ihrer vier Kinder Lydia, Markus, Peter und Paul. Einer Familie mitten aus der Gemeinde, die sich ganz spontan und mit viel Herz und Freude ans Werk gemacht hat. Also auch der Beitrag selbst ein Kinderspiel, denn die vier Kinder haben den Beitrag weitgehend gestaltet. Die vier sind übrigens in unserer Kirche getauft und konfirmiert.

Wir wünschen Ihnen und Euch mit der Familie Ramos-Stahl einen gesegneten Sonntag, Gesundheit und Freude.

Dr. Silke Weißker-Vorgias und Vera Sficas

Info von der Deutschen Botschaft Athen

Wie Sie wahrscheinlich den Medien bereits entnommen haben, wurden die Ausgangsbeschränkungen zunächst bis zum 4. Mai weiter verlängert.

Ein Hinweis zur Einreise nach Deutschland: Die Fluggesellschaften verlangen von EU- und Drittstaatsangehörigen einen Wohnsitznachweis in Deutschland (Amtliche Meldebescheinigung), bei der Einreise nach Deutschland muss von diesem Personenkreis der Wohnsitz oder der dringende Grund der Einreise nachgewiesen werden. Alle nach Deutschland Einreisenden müssen sich beim örtlichen Gesundheitsamt melden und eine 14-tägige Hausquarantäne einhalten. Informationen hierzu haben wir auf unserer Webseite verlinkt. Weiterhin zu Ihrer Information: Wir haben heute einen Landsleutebrief mit Hinweis auf eine mögliche Ausreisemöglichkeit per Fähre Ende nächster Woche versandt.

Falls Sie Fragen hierzu haben, können Sie sich gern an uns wenden.

Zeichen der Zuversicht 13

Liebe Mitglieder und Freunde der Athener Kirchengemeinde,

unser Freund Prof. Dr. Panagiotis Karanis ist derzeit auf Zypern tätig. Er war Professor in Deutschland, Japan und China. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf den Gebieten der parasitären und Tropenkrankheiten. Als Professor der Medizin für Anatomie und Parasitologie hat er letztes Jahr die Aufgabe übernommen, den Medizinstudenten an der Universität in Nicosia auf Zypern die Anatomie des menschlichen Körpers zu lehren. Seine Verbundenheit mit uns, aber auch seine fachliche Kompetenz, ist uns wichtig. Er schreibt in Zeiten von Corona an unsere Kirchengemeinde.

Mit vielen Grüßen

Dr. Silke Weißker-Vorgias und Vera Sficas

’Παν μέτρον άριστον’… „Alles in Maßen“

Liebe Kirchengemeinde und –freunde in Athen,

in dieser für uns alle schwierigen und ungewohnten Zeit möchten meine Frau und ich einige Gedanken mit Ihnen/Euch teilen, und grüßen damit alle aus der schönen Eifel im Westen Deutschlands, nahe der belgisch-deutschen Grenze.

Ignaz Philipp Semmelweis (1818-1865) war ein ungarischer Chirurg und Geburtshelfer in Wien. Semmelweis führte das häufigere Auftreten von Kindbettfieber in öffentlichen Kliniken im Vergleich zur privaten Entbindung auf mangelnde Hygiene bei Ärzten und Krankenhauspersonal zurück und bemühte sich, Hygienevorschriften einzuführen.

Als Ergebnis seiner Studien wies Semmelweis seine Studenten an, die Hände vor jeder Untersuchung zu desinfizieren, mit Chlorlösung, später mit dem billigeren Chlorkalk – wie sich herausstellte, eine wirkungsvolle Maßnahme: Die Sterblichkeitsrate sank in nur wenigen Monaten von 12,3% auf 2-3%, 1848 sank die Sterblichkeitsrate auf 1,3%. Semmelweis erkannte, dass eine Ansteckung von lebenden Personen ausgehen konnte!

Trotz dieses Erfolgs wurden die Arbeiten von Semmelweis lange Zeit vor allem von führenden Medizinern nicht anerkannt. Viele Ärzte und auch seine Studenten hielten Sauberkeit für unnötig und wollten nicht wahrhaben, dass sie selbst die Verursacher jener Krankheit waren, die sie eigentlich heilen wollten. Während er zu Lebzeiten beschimpft und sogar in die Psychiatrie weggesperrt wurde, da Hygiene als Zeitverschwendung und unvereinbar mit den damals geltenden Theorien über Krankheitsursachen angesehen wurde, gilt er heute als „Retter der Mütter“.

Auch ein anderer Arzt, der schottische Chirurg Joseph Lister (1827-1912), machte sich verdient im Bereich der antiseptischen Chirurgie. Doch auch das Ergebnis seiner Ideen ließ lange auf sich warten: Es hatte fast zwei Jahrzehnte gedauert, bis seine Methoden von der Fachwelt der Chirurgen akzeptiert wurden. Nach Listers Studien bestand eine Sterblichkeitsrate nach der eigentlichen Operation von 50% infolge Infektionskrankheiten, die Benutzung von Antisepsis und ordentlicher Hygiene senkte diese Sterblichkeit auf 15%.

Ich hatte Glück in meinem Leben, wie natürlich alle in der heutigen Zeit Lebenden: Ich habe gelernt, mich selbstverständlich und natürlich vor Infektionskrankheiten zu schützen.

Bereits in der Grundschule im kleinen Dorf in Chrysso/Evritania mussten wir jeden Montag die Hände vorstrecken und der Lehrer prüfte, ob die Fingernägel geschnitten und die Finger sauber waren. Wir durften Katzen und Hunde streicheln, allerdings waren wir verpflichtet, unmittelbar danach unsere Hände gründlich zu waschen. Es war bekannt, dass zumindest Echinokokkeneier vom Hundekot übertragen werden können. Grundregeln der Natur, um dort zu überleben, wo medizinische Versorgung nicht existierte, wurden uns sehr früh beigebracht. Die modernen Leute in der Stadt halten die Tiere nicht nur innerhalb ihres Hauses, sie teilen sogar oft das Bett mit ihrem Hund oder ihrer Katze. Doch die Tatsache, dass auch diese domestizierten Tiere Krankheiten übertragen können, bleibt, so sehr sie auch geliebt und vermenschlicht werden. Hund und Katze können meist gut mit den Erregern koexistieren und überleben, Menschen aber nicht.

Wir alle haben das Glück, dass Desinfektion und Antiseptik eine Selbstverständlichkeit sind, setzen aber trotzdem unser Glück durch undiszipliniertes Verhalten aufs Spiel.

In Japan war mir anfangs der Begrüßungsstil sehr befremdlich, denn Japaner vermeiden Körperkontakt streng und diszipliniert. Im Laufe meiner Arbeit, und insbesondere in der aktuellen Corona-Krisenzeit, weiß ich diese Verhaltensregeln zu schätzen, und weiß um deren Berechtigung. Insbesondere in Griechenland, wo sich Menschen beider Geschlechter küssen, wenn sie sich begrüßen, sollte man umlernen und Körperberührungen unterlassen.

Diese Coronavirus-Pandemie ist nicht die erste Pandemie bzw. Epidemie und wird nicht die letzte sein. Beispiele gibt es zahlreich:

Die „Attische Seuche“ (Erreger unbekannt) in Athen kostete ¼ – 1/3 der Bevölkerung Athens das Leben 430-426 v. Chr. Der „Englische Schweiß“ mit 5 Ausbrüchen in England in den Jahren 1485/86, 1507, 1517, 1528/29, und 1551 – der Erreger konnte nie identifiziert werden. Die „Russische Grippe“ (Pferdeinfluenzavirus), eine Virusgrippe, die weltweit (pandemisch) innerhalb relativ kurzer Zeit ca. 1 Million Todesopfer forderte in den Jahren 1889-90. Die „Spanische Grippe“ (Influenzavirus) forderte in den Jahren 1918-20 nahezu 50 Mill. Tote weltweit. Die „Hongkong-Grippe“ (Influenzavirus) verlief weltweit 1968-70 für ca. 1 Mill. Menschen tödlich, in Deutschland starben ca. 30.000. Die „SARS-Pandemie“ 2002-03 war das erste Auftreten des SARS-assoziierten Coronavirus und lieferte ca. 774 Tote. Die „Vogelgrippe“ (Influenzavirus) seit 2004 mit weltweitem Vorkommen, hauptsächlich in den Jahren 2004 – 2016, mit mind. 450 Toten. Die „Schweinegrippe“ (Influenzavirus), weltweit, mind. 18.500 Todesopfer. Die Virusgrippe 2018-19 (Influenzavirus), die in Deutschland ca. 25.100 Tote forderte, und weltweit bis zu 646.000. Die Masernepidemie, seit 2018 in Madagaska, seit 2019 in der Demokratischen Republik Kongo und Samoa, v.a. Kinder betreffend, für bis zu 6.000 tödlich verlaufend, und zumindest Langzeitschäden verursachend. Und seit Nov. 2019 die „COVID-19 (= SARS-Cov-2)“-Pandemie, die bis dato mind. 110.000 Tote weltweit forderte.

Und es gibt viele Gründe dafür, warum es immer wahrscheinlicher wird, dass Massenausbrüche von Infektionskrankheiten über die Menschen hereinbrechen werden in immer kürzeren Abständen.

In Zeiten der Globalisierung ist es möglich geworden, innerhalb eines Tages in entfernteste Orte zu fliegen. Die Globalisierung bietet wahrlich einmalige Chancen, die Welt kennenzulernen, aber die Erde hält dies nicht mehr aus.

In den letzten Jahren hat sich die Touristenzahl in Griechenland vervielfacht: Dreimal mehr Touristen als einheimische Bevölkerung im Land. Stolz verkündete damals die Tourismusministerin, dass die Zahl von 30 Millionen Touristen in Griechenland im Jahr erreicht sei, und das Ziel wäre auf 40 Millionen zu erhöhen. Ich habe mich so oft gefragt und die Frage an die Zuhörer meiner Vorträge in Konferenzen gestellt: „Was soll das, ohne Sinn und Maß Touristenzahlen in die Höhe zu treiben? Wie sieht es mit Umweltschäden, Übermüllung, Störung der Tiere und derer Lebensräume aus?“ 15.000 Touristen aus aller Welt besuchten die Insel Santorini täglich in der Hochsaison: Menschen unterschiedlichster Herkunft, besiedelt mit unterschiedlichster Flora, dicht an dicht gedrängt auf Schiffen, auf Aussichtsplattformen, in Cafés und Restaurants: Ein Leichtes für Krankheitserreger unterschiedlichster Herkunft von Mensch zu Mensch überzuspringen und in neue Regionen verschleppt zu werden.

Die Neugierde der Menschen und der Drang, alles auf dieser Welt besitzen zu wollen, lassen sie in Gebiete vordringen, in denen sie eigentlich nichts zu suchen haben. Wildnis sollte wild und für sich bleiben, denn wilde Tiere, wie wir wissen, tragen viele Viren, Bakterien und Parasiten an und in sich, die ihnen selbst nicht oder unwesentlich schaden, aber im Menschen unbeherrschbare Krankheiten auslösen können – wie wir jetzt sehen. Wir sollten lernen, mit der Natur zu leben und sie zu respektieren und Natur natürlich sein zu lassen.

Massentierhaltung, Abrodung, Verschleppung von wilden Tieren auf Märkte, Massenkonsum, Tourismus, Vernichtung von Lebensräumen u.v.m. – alles, was wir beeinflussen könnten – macht (uns) krank.

Wir sollten uns wieder an das One-Health-Konzept erinnern, das schon von einem kanadischen Tierarzt 1948 entwickelt wurde: Umwelt-Tier-Mensch: keiner kann ohne den anderen. Kein Mensch, kein Tier, keine Pflanze kann in einer kranken Umwelt existieren, zumindest nicht gesund. Umwelt- und Klimaschutz ist Infektionsschutz bzw. Schutz vor Krankheiten.

Wir haben es in der Hand, ob das egoistische Jeder-für-sich weiter geht oder nicht. Die Welt nach der Corona-Lektion wird eine andere sein, so oder so. In welcher Welt, in welcher Gesellschaft wir leben werden und leben möchten, hängt von uns ab.

Wir alle wissen, dass der fromme, aber arrogante Mensch unserer Zeit das Leben auf diesem kleinen Planeten, der heute weltweit bedroht ist, aber auch mit tragischen Folgen für sein eigenes Leben, in den Händen hält.

Meine Frau und ich denken, dass die Natur, als Folge der „verrückten (im Sinne von „daneben“) Weltordnung“, uns erneut eine Pandemie geschickt hat, um „unsere Weltordnung“ tüchtig durcheinander zu bringen und uns eine Chance zu geben, inne zu halten und diese zu überdenken, und neu zu ordnen! Und es wird sich solange wiederholen, bis wir gelernt und verändert haben.

Aber wir alle tun so, als ob wir ohnmächtig und gewissen „Gewalten“ dieser Erde ausgeliefert seien und nichts ausrichten könnten.

Ist das so?

Wir wünschen allen Gesundheit und dass Sie diese Krise unbeschadet überstehen,

und freuen uns auf ein Wiedersehen in Athen.

Prof. Dr. Panagiotis Karanis & Dr. med. Gabriele Karanis