Zeichen der Zuversicht

Liebe Mitglieder und Freunde unserer Kirchengemeinde,

lange ist es her, dass wir das letzte „Zeichen der Zuversicht“ versandt haben. Viele Menschen haben in dieser Zeit um Zuversicht gerungen. Dann haben der Sommer und die Lockerungen nach dem Corona-Lockdown mit den Möglichkeiten, einander offener begegnen und sogar reisen zu können, das Leben wieder leichter gemacht. Andere Menschen waren und sind nicht so privilegiert wie wir: Die Menschen in Moria und in den vielen anderen Lagern, die Menschen, die als Fremde nach Griechenland gekommen sind. Wie wir. Mit Hoffnungen, Erwartungen, Ängsten und Sorgen. Aber unter ganz anderen Voraussetzungen und Bedingungen. Eingepfercht in Lager, in denen sie sich kaum vor Corona schützen können, in denen sie sich selten die Hände waschen können, in denen sie vor dem morgen drohenden Unwetter nicht sicher sind. Wir werden gewarnt, Zuhause in Sicherheit zu bleiben. Wie sollen sich die Menschen in den Lagern, in ihren Zelten und provisorischen Unterkünften während des Sturms sicher fühlen? Gestern ging ein Gebet für Moria um die Welt, welches wir Ihnen hiermit bekannt geben wollen, so dass Sie sich anschließen können.

Herzliche Grüße

Dr. Silke Weißker-Vorgias und Vera Sficas

Ich bete für Moria.
Nein, nicht für Moria, dieses Gefängnis, den Nicht-Ort, draußen im Meer,
Ort unserer Schande.
Ich bete für die Menschen, eingesperrt, ausgesetzt, Dreck im Dreck.
Kinder wachsen dort auf, zwischen Plastikplanen und Gewalt:
So ist das Leben. Die Welt, in der sie nicht willkommen sind.
Gott, schütze Du, was wir nicht schützen wollen.
Ich bete für die, die sie dennoch lieben.
Ihre Mütter und Väter, wenn es sie noch gibt
und für die, die ihnen ein wenig Wärme geben
da draußen, in der der Kälte,
im Gestank der Verachtung.
Ich bete für die,
die in der Asche sitzen,
und für die, die bei ihnen geblieben sind,
jetzt, nach dem Feuer von Moria – diesem erbärmlichen Fanal
für unser Zusehen und Wegsehen,
für das Nichts-Tun.
Ich bete für die, die uns der Mühe nicht wert sind.
Und für die, die sich auch jetzt noch herausreden,
und schachern um Menschenleben.
Gott, mische Dich ein, in unsere Unmenschlichkeit, in unser Versagen.
Komm, Gott – lass nicht zu, dass dies das Ende ist.
Amen.
(Text: Sabine Dreßler)